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Jedes runde Mädel kennt das Gefühl, wenn es an seinen Sportunterricht zurück denkt. Da steht man zwischen den ganzen sportbegeisterten Hupfdohlen vorm Sprungkasten und fragt sich wie man da nun ohne den ganz peinlichen Bauchplatscher rüber kommen soll. Je mehr der dünnen Grazien vor einem elegant über den Kasten schweben, und der gut aussehende Referendar in seinem schnittigen Jogginganzug sie lobt, desto mehr steigt in uns Plus-Size-Girls das Gefühl hoch, dass man gleich absolut versagen und wieder einmal der Depp der ganzen Klasse sein wird. Also vielleicht doch besser kurz vorm Absprung abbremsen und am Kasten vorbei gehen. Das Gesicht des jungen Lehrers, das eben noch aufmunternd aussehen sollte, ist dem "Ich hab's gewusst"-Blick gewichen.Oder erinnert ihr euch an die Bundesjugendspiele, an denen man sich lieber einen gelben Schein besorgt hat oder ganz spontan von den allerschlimmsten Menstruationsbeschwerden geplagt wurde, die schlimmer waren als alle Schmerzen, die je eine Frau gehabt hat und jemals haben wird? Und warum? Nur, weil man sich die Schmach ersparen wollte als Letzte beim 100-Meter-Lauf mit einer Zeit um die 20 Sekunden ins Ziel zu japsen, oder beim Weitsprung kurz nach dem Absprungbalken im Sand zu landen, wie eine Boeing 747 beim Crash auf die Landebahn.

Man hat uns unser ganzes Leben weisgemacht, dass wir unsportlich sind. Dass wir andere Qualitäten haben, aber zum Sport nichts taugen. Zum Modell sein taugen wir ja auch nichts, weil unsere Klamottengröße jenseits der 44 ist und man eine 36 braucht um was zu sein. Mädels das stimmt nicht!

Es gibt Orte in Deutschland, wo wir mit glänzenden Augen empfangen werden. Wo unsere Masse kein Ausschlußkriterium, sondern ein Gütemerkmal ist. Und dabei rede ich nicht vom Fetisch-Club der kleinen Männer, die gerne in unseren Rundungen versinken wollen. Nein, ich rede hier von Sport. Echtem Sport, bei dem wir schwitzen und fluchen dürfen, bei dem wir all unseren Frust auf die fiesen Mädchen und die Arschloch-Lehrer los werden können und bei dem wir ein wichtiger Teil sind, ohne den einfach gar nichts geht. Als Liner im American Football sind wir genau richtig!

Auf geht's Ladies! Zeigt eurer Joggingbuchse mal, dass sie eigentlich für das Leben in freier Wildbahn gemacht wurde und nicht nur zum chillen auf dem Sofa gedacht ist! Meine ersten Tage auf dem Sportplatz waren merkwürdig. Sagte doch, dieser komische kleine Kerl in seiner blauen Jogginghose, dass ich bitte zwei Runden um das ganze Spielfeld rennen soll. Zwei Runden?! Ja, zwei Runden, wie jeder andere dicke Spieler auch. Ich war nicht allein, da waren noch mehr potentielle Kandidaten von "The Biggest Loser". Und alle liefen und schnauften sie gemeinsam. Um es kurz zu machen. Ich habe 1/3 Runde geschafft und mich dann entschlossen, dass ich lieber gehe und vielleicht im nächten Training eine halbe Runde schaffe. Mit ein bisschen Willen geht alles! Heute laufe ich, obwohl ich noch immer ein Plus-Size-Girl bin, 15-20 Minuten am Stück in meinem Tempo und spurte kurze Strecken über den Platz und brauche dabei nur noch manchmal ein Sauerstoffzelt um mich zu erholen. Ab 50 Metern wird's kritisch, aber da sollte eigentlich auch nichts mehr sein, was ich aus dem Weg räumen muss, damit der Flitzer hinter mir den Ball möglichst weit übers Feld tragen kann, ohne vom Gegner umgeworfen zu werden.

Ich bin ein Plus-Size-Girl und stolz drauf, denn ohne uns sähen die ganzen Sporty-Girls ziemlich alt aus!

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